Eine Überbauung mit echtem Pioniercharakter

Die Siedlung soll auf ihre gesamte Lebenszeit gerechnet CO2-neutral sein. Das Gebäude muss komplett mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Zusätzlich müssen auch die beim Bau verwendeten Ressourcen kompensiert werden. Möglich wird dies dadurch, dass das für das Gebäude verwendete Holz CO2 speichern und so die Luft reinigen soll. Zudem bestehen die Dächer quasi aus Solarzellen. Das «hauseigene Kraftwerk» produziert mehr erneuerbaren Strom, als die Bewohner benötigen und kann diesen ins regionale Netz einspeisen.

Ein wichtiger Bestandteil ist es zudem, die Wohnungen kleiner zu gestalten. Die Wohnungen sind im Schnitt 69 m2 gross. Desto mehr Fläche ein Mensch teilt, desto kleiner ist sein ökologischer Fussabdruck. Deshalb wurden einige Wohnfunktionen in Gemeinschaftsbereiche ausgelagert, die man per Klick auf der hauseigenen App hinzubuchen kann.

«Limmergy» ist gewappnet für Home-Office

Der Anspruch vom Wohnort als Arbeitsort ist durch die Corona-Pandemie stärker als bisher in der Realität angekommen. «Limmergy» richtet sich an flexiblere Wohn-und Arbeitsformen, in dem es die räumlichen Gegebenheiten dafür schafft. Als Beispiel dient die moderne Werk-Lobby, eine zentrale Eingangshalle, welche die beiden Wohn-Blöcke miteinander verbindet und durch in den Garten führt. Diese Lobby, die auch für externe Veranstaltungen buchbar sein soll, könnte flexibel als grosser Co-Working-Space genutzt werden. Typischen Home-Office-Problemen wie schlechte Work-Life-Balance, Versäumnisse in der Digitalisierung und Vereinsamung kann man so entgegenwirken. Die Werk-Lobby soll also ein Begegnungsraum der Bewohner aus dem Haus werden. Ganz entgegen der Tendenz zur Anonymisierung in Mehrwohnungs-Gebäuden. Der gemeinschaftliche Gedanke zieht sich durch das komplette Konzept von «Limmergy»: Gemeinschaftsküche, Bibliothek, Werkstatt, Sitzungszimmer, Car-Sharing. Wir wollen je ein Elektro- und ein Biogas-Auto in der Tiefgarage deponieren.

Die Architektur muss sich mehr am On-Demand-Prinzip ausrichten, welches schon jetzt viele Konsumbereiche bestimmt. Das verlangt eine höhere Flexibilität und Anbindung an die digitale Welt.

Stefan Oeschger
Architekt

Kritische Stimmen aus der Nachbarschaft werden laut

Dass es Widerstand geben wird, war für den Architekten Stefan Oeschger und sein Team klar. Manch einer würde lieber weiterhin Wiese sehen als eine moderne Überbauung an der Limmat. Nachbarn befürchten eine Überlastung der Austrasse.

Den Kritikern kam man mit einem Erschliessungsplan entgegen, welcher die Austrasse zur Tempo-30-Zone machen soll. Zudem sieht das Mobilitätskonzept eine grösstmögliche Reduktion der Parkplätze für Autos in der Tiefgarage vor – 40 Prozent weniger als bei vergleichbaren Wohnsiedlungen. Einerseits wegen des Nachhaltigkeitsaspekts und weil man den Individualverkehr aufs Velo und den ÖV verlagern will. Auch wird die Kanzel, ein kleiner, öffentlicher Begegnungsraum mit schattigen Bäumen, Sitzbänken, Brunnen und Aussicht zur Limmat hin, kontrovers diskutiert. Die Anwohner fürchten Lärm durch Veranstaltungen und Littering. Dabei soll gerade im Aussenraum versucht werden, dem angrenzenden Limmatraum und der Natur Rechnung zu tragen. Ein kleiner Wald ist geplant, eine Obstwiese mit heimischen Sorten ebenso wie ein Gemeinschaftsgarten, der von den Siedlungsbewohnern bewirtschaftet werden kann.