Bleiben Sie informiert

Folgen Sie uns auf Social Media und erfahren Sie aus erster Hand, was in Sachen Energie läuft.

Dienst

Leistung

Energie

Gilles Tornare, Leiter Marketing

Heinz Bolliger, Leiter Energie

Christian Favre, Energie und Portfolio Manager

Im Gespräch mit den Energie-Profis

Herr Bolliger, Sie sind seit 25 Jahren als Leiter Energie bei der Regionalwerke AG Baden tätig. Wie ist der Bereich Vertrieb organisiert?

Heinz Bolliger: Bis Mai 2015 war ich als Abteilungsleiter verantwortlich für den gesamten Bereich Marketing. Alle energiewirtschaftlichen Themen, des gesamten Querverbunds RWB, waren bereits bis zu diesem Zeitpunkt Teil meiner Aufgabe. Die Vertriebsaktivitäten fanden teilweise im Marketing und teilweise direkt bei den Fachabteilungen statt. Seit Juni 2015 leite ich den Bereich Energie. Zu zweit sind wir verantwortlich für die Bewirtschaftung der Strom-, Gas-, Fernwärme- und Zertifikateportfolien. Das heisst, wir kaufen und verkaufen Energie und Zertifikate. Wir kalkulieren Preise, erstellen Ausschreibungen und unterbreiten Angebote. Wir führen Vertragsverhandlungen mit Lieferanten und Kunden und schliessen entsprechende Verträge ab. Weiter erstellen wir Budgets- und Mehrjahrespläne sowie Statistiken und Reports und unterstützen andere interne Bereiche in ihren vielfältigen Aufgaben. Insgesamt ist das Aufgabengebiet sehr vielfältig. Daher ist der Vergleich mit einer typischen Vertriebsorganisation schwierig.

Wie hat sich die Beschaffung im Laufe der Jahre verändert?

Heinz Bolliger: Ich möchte dies am Beispiel der elektrischen Energie erläutern:

Vor der Teilmarktöffnung 2009, war es noch relativ einfach, elektrische Energie zu beschaffen. Die Versorgungs- und Lieferantenstrukturen waren sehr starr. Wir hatten noch keine grossen Möglichkeiten, den Lieferanten zu wechseln. Ebenso gab es noch keinen Marktzugang für die Kunden. Wir fokussierten uns darauf, mit dem angestammten Vorlieferanten gute Preise auszuhandeln, sofern das überhaupt möglich war. Heute beschaffen wir die elektrische Energie strukturiert am Markt. Mit unseren marktberechtigten Grosskunden schliessen wir teilweise back-to-back Verträge ab. Dies ist natürlich sehr viel komplexer und ist mit dem Aufbau von Knowhow und zusätzlichen Kompetenzen verbunden. Die Risiken nehmen zu, dafür steigen aber auch die damit verbundenen Chancen, um für alle unsere Kunden optimale Lösungen zu finden und marktfähige Preise anbieten zu können. Entscheidend für den Grad der Komplexität sind jedoch gewisse strategische Überlegungen. Wie häufig, geht es um die Frage, was wollen und können wir selber bewältigen, respektive für welche Aufgaben arbeiten wir mit Spezialisten, das heisst mit Dienstleistern zusammen.

Welche Rolle spielen erneuerbare Energien in der Beschaffungsstrategie der RWB?

Gilles Tornare: Erneuerbare Energien spielen für RWB eine grosse Rolle und sind nicht mehr wegzudenken. Wir haben uns in dieser Disziplin spezialisiert und können individuell auf Kundenbedürfnisse eingehen und die gewünschten erneuerbaren Energien aus unserer eigenen Energieproduktionsanlagen oder am Markt beschaffen.

Herr Favre, Sie sind der Ansprechpartner für das Energieportfolio der Geschäftskunden. Was sind die Vorteile dieses Produktes?

Christian Favre: Wir bieten den KMU-Kunden die Möglichkeit an, ihre Strombeschaffung kostenlos der RWB im Mandat zu überlassen.

Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass Kunden ohne professionelle Begleitung durch einen Portfolio Manager, das Bewusstsein und die Risiken für den Markt verlieren.

In Zeiten mit signifikanten Marktpreisvolatilitäten, wie wir sie aktuell erleben, heisst dies meistens, dass der Kunde zu einem ungünstigen Zeitpunkt seine Energie ausschreibt bzw. einkauft. Manchmal hat er aber Glück und kann zu besseren Konditionen als im aktuellen Vertrag einkaufen.

Um dieses Spannungsfeld zwischen Risiko und Glück zu entschärfen, bietet sich die Strombeschaffung im Mandat als komfortable und sorglose Lösung an.

Mit der mehrjährigen Lieferung, vorausgehenden Beschaffung in Tranchen, wird die Marktpreisvolatilität durch die Durchnittspreismethodik eingedämmt. Der Kunde erlebt somit keine Preisrisiken von Jahr zu Jahr.

Im Weiteren erhält der Kunde eine professionelle Einkaufslösung und kann sich auf sein Tagesgeschäft fokussieren.

Welche weiteren Produkte bietet die RWB ihren Geschäftskunden an?

Christian Favre: Wir bieten Energie und Wasser als Versorgungsprodukte sowie Energiedienstleistungen für eine bessere Lebensqualität an. Die RWB entwickelt sich entlang der Kundenbedürfnisse stetig weiter und investiert in zeitgemässe Energieproduktionen für eine umweltgerechte Zukunft.

Wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Energiebeschaffung aus?

Heinz Bolliger: Ja. Gerade während der ersten Welle im Frühjahr 2020 sind die Grosshandelspreise für elektrische Energie, aufgrund der coronabedingten Konjunkturschwäche und dem damit verbundenen Nachfragerückgang für zukünftige Lieferungen, gesunken. Wir haben diese Situation genutzt, um entgegen unserer eigentlichen Beschaffungsstrategie grössere Energiemengen für die Jahre 2021 bis 2023 einzukaufen. Beim Gas- und dem Fernwärmegeschäft waren die Auswirkungen weniger stark spürbar.

Gilles Tornare: Beim Lockdown im letzten Frühling verzeichneten wir einen vorübergehenden Bedarfsrückgang von rund 10 Prozent im Strom. Vielmehr hat die Corona-Pandemie einen grossen Einfluss auf die Preise an den Energiebörsen. Diese Volatilität ist tatsächlich eine Herausforderung.

Hat die Produktionseindämmung aufgrund der Corona-Massnahmen und die damit verbundene sinkende Nachfrage nach Energie Auswirkungen auf die Preissituation der RWB?

Christian Favre: Ich würde die Frage gerne mit «kann» beantworten. Lassen Sie mich dies wie folgt erklären.

Energiepreise werden täglich von diversen Einflussfaktoren getrieben. Der klassische Einflussfaktor auf den Marktpreis ist das Produktionsangebot der Kraftwerke und die Nachfrage bei den Endverbrauchern.

Der Referenzpreis für Strom wird an der europäischen Energiebörse EEX gebildet. An dieser Börse nehmen auch die grossen europäischen Stromproduzenten teil, welche mit ihren Volumen die Preisbildung wesentlich beeinflussen.

Der Energiemix EU-28[1] besteht zu ca. 70 Prozent aus nicht erneuerbaren Energieträgern, d.h. Kohle, Öl, Gas und der Kernbrennstoff Uran. Die sogenannten konventionellen Kraftwerke, welche mit diesen Energieträgern Strom produzieren, sind dem Rohstoffmarkt ausgesetzt. Die gehandelten Volumen dieser Energieträger sind gewichtige Einflussfaktoren.

Im Weiteren ist der Einflussfaktor Emissionsrechtehandel zu nennen. Das System beruht darauf, dass ein Betreiber einer erfassten Anlage für jede Tonne emittiertes CO2 ein gültiges Zertifikat vorlegen muss und es nur eine begrenzte Menge an neuen Zertifikaten pro Jahr gibt.  Zertifikate sind handelbar, d.h. Betreiber können überschüssige Zertifikate verkaufen oder müssen zusätzlich benötigte Zertifikate nachkaufen. Emissionen erhalten so einen Preis und Anlagenbetreiber einen Anreiz, ihre Emissionen zu verringern.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass vermehrt globale Einflüsse aus Wirtschaft und Politik und aktuell auch Gesundheitskrisen, via den sozialen Medien transportiert, die Strompreise volatiler gemacht haben.

Eine Pandemie kann also den Preis nach unten treiben, wenn Lockdowns einen Nachfragerückgang erwarten lassen. Sie kann den Preis nach oben treiben, wenn die Aussicht auf einen Impfstoff eine Nachfragesteigerung erwarten lässt.

Wir befinden uns in einer herausfordernden Situation. Auf was können sich die Kunden der Regionalwerke AG Baden im 2021 freuen?

Gilles Tornare: Auf eine geballte Ladung positiver Energie. Wir planen auf Herbst 2021 unseren Web-Auftritt aufzufrischen und kundenfreundlicher zu gestalten. Zudem startet dieses Jahr der Rollout der intelligenten Zähler, welcher sich über die nächsten Jahre erstrecken wird. Weiter starten wir mit dem weitsichtigen Projekt zum Ausbau der Fernwärme- und Kälteversorgung von Baden Nord Richtung Vorstadt.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Johanna Graf

 

[1] BFE, Schweizerische Elektrizitätsstatistik 2019