Die Planung steht, die Investitionen wurden vom Verwaltungsrat der RWB gutgeheissen: Mit dem Grossprojekt für mehr erneuerbare Fernwärme und Fernkälte leistet die RWB einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Energieziele von Baden. «Das ist der Grundstein für die Dekarbonisierung des städtischen Versorgungsgebiets», sagt Jonas Hurter, Ressortleiter Energieprojekte. Durch den Ausbau wird die Stadt mittelfristig mit zusätzlich 40 GWh Wärme und über 10 GWh Kälte versorgt. Produktion und Betrieb der Anlagen sollen dabei möglichst nachhaltig sein. «Wir möchten alle Anlagen mit erneuerbarem Strom betreiben und Spitzenlasten mit grossen Speichersystemen abdecken, damit der Gasanteil möglichst klein ist.» So kann der Badener CO²-Ausstoss jährlich um 10’000 Tonnen gesenkt werden.

Jonas Hurter, Ressortleiter Energieprojekte

Mit der Abwärme- und Grundwasser­wärmenutzung implementieren wir Technologien, die für uns neu sind. Das ist ein grosser Schritt und gleichzeitig eine grosse Herausforderung für die Regionalwerke AG Baden.

Jonas Hurter
Ressortleiter Energieprojekte

Die weiteren Ausbauschritte

Mit SiBaNo, dem Energieversorgungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Fernwärme Siggenthal AG, wurde bereits ein Meilenstein für eine erneuerbare Fernwärme in Baden realisiert. Der Bau der über drei Kilometer langen Verbindungsleitung von der Heizzentrale Baden Nord bis zur Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) dauerte rund ein Jahr. Seit Mitte 2020 profitieren Fernwärmekunden in Baden Nord von der CO²-neutralen Abwärme der KVA.


SIBANO - Das Energieversorgungsprojekt

KVA Turgi

Fernwärme Siggenthal AG

Die Vorteile von Fernwärme und Fernkälte

Der Anschluss ans Fernwärme-/ Fernkältenetz hat für die Kunden viele Vorteile. Zum einen handelt es sich um Energie aus erneuerbaren Quellen. Andererseits ist die hohe Versorgungs- und Betriebssicherheit durch die RWB jederzeit gewährleistet. Ein weiterer Vorteil ist der stabile Preis: Die Produktion erfolgt regional mit bekannten Kosten­faktoren – grosse Preis­schwankungen sind daher kaum zu erwarten.

«Damit sich die hohen Investitionen lohnen, muss man das Wärmenetz dort bauen, wo viele Menschen wohnen und ein hoher Energiebedarf besteht», sagt Jonas Hurter. «Deshalb erweitern wir das Netz derzeit in Richtung Innenstadt.» Parallel dazu ist der Aufbau eines Kältenetzes geplant, ebenfalls von der Energiezentrale Baden Nord aus betrieben.

Rechts der Limmat soll ab Herbst eine Grundwasser-Wärmepumpen-Zentrale entstehen. Ziel ist die Versorgung der Areale Kantonsschule und regionales Pflegezentrum. «Mit der Grundwasserwärmenutzung setzen wir auf eine effiziente und nachhaltige Technologie. So können wir je nach Bedarf Wärme und Kälte produzieren.» Der grosse Vorteil des parallelen Fernwärme- und Fernkältenetzes: «Die jeweilige ‹Abfallenergie› wird weiterverwertet. Die bei der Kälteproduktion entstehende Abwärme kann fürs Wärmenetz genutzt werden – und umgekehrt.»


RWB Planungskarte Wärme & Kälte

Zusammenschluss ab 2025

Die einzelnen «Energie-Cluster» sollen ab 2025 zu einem grossen Wärme- und Kältering zusammen­geschlossen werden. Der Vorteil liegt auf der Hand. «Durch die Einspeisung von Wärme und Kälte aus mehreren Energiezentralen garantieren wir eine hohe Verfügbarkeit des Gesamtsystems mit erneuer­barer Energie.» Die Nachfrage ist gross und übertrifft die Erwartungen aus der Bedarfsanalyse. Jonas Hurter hofft, dass die kommenden Bauarbeiten reibungslos verlaufen und es nicht allzu viele Ein­schränkungen für die Bevölkerung geben wird. Punktuelle Verkehrsumleitungen an neuralgischen Stellen wie in der Nähe der Post sind aber kaum zu verhindern.

Wärmeverbund Kappelerhof – ein Vorzeigeprojekt

Die alte Holzheizung im Schulhaus Kappelerhof hatte ihr Betriebsende erreicht. Als Ersatz setzte die RWB, in Zusammenarbeit mit der Stadt Baden, auf eine nachhaltige Lösung: Mit der neuen Heizung wurde ein Nahwärmeverbund eingerichtet. Erfahren Sie mehr im Video:

Wärmeverbund Kappelerhof

Interview

Christian Vogler
Christian Vogler
Leiter Energiefachstelle

Wie sieht das aktuelle Badener Energieförderprogramm aus?
Durch eine energetisch sinnvolle Sanierung eines Gebäudes können Energieverbrauch und CO²-Ausstoss teils massiv gesenkt werden. Das ist nicht nur ein Ziel der Energiestrategie 2050 des Bundes, sondern auch eines des Badener Energiekonzepts. Unser aktualisiertes Förderprogramm wurde im Januar lanciert und regelt unter anderem die städtischen Beiträge für Heizungsersatz und Solarthermie. Wer also demnächst die Gas-, Öl- oder Elektroheizung durch ein erneuerbares Heizsystem ersetzt, profitiert von attraktiven Förderbeiträgen – nicht nur von der Stadt Baden, sondern je nach Vorhaben auch vom Kanton Aargau.

Die Stadt fördert unter anderem auch den Anschluss an einen Wärmeverbund. Wie kann ich davon profitieren?
Auf der Website der Stadt Baden finden Sie sämtliche Informationen, Antragsformulare und sogar einen Förderrechner, mit dem Sie den städtischen Förderbeitrag für Ihr Projekt berechnen können. Beim Anschluss an den Wärmeverbund hängt die Höhe des Förderbeitrags unter anderem davon ab, wie viel CO² im Vergleich zur ersetzten Heizung eingespart wird, aber auch von der Grösse der beheizten Fläche: Je höher diese ist, desto höher fällt der Beitrag aus.

Wie finanziert die Stadt diese Förderbeiträge?
Die Stadt erhebt eine Abgabe auf den Netznutzungskosten beim Strom, welche die Regionalwerke im Auftrag über die Stromrechnung erhebt und an die Stadt weiterleitet. Jede Person, die Strom bezieht, bezahlt damit seit anfangs Jahr neu eine zusätzliche Abgabe zur Förderung erneuerbarer Energien. Das bedeutet für einen durchschnittlichen Haushalt mit vier Personen Mehrkosten von etwas über einem Franken pro Monat.

Wie wichtig ist das Wärmeverbundprojekt für Baden?
Enorm wichtig. Um die Klimaziele zu erreichen, braucht es grosse Taten. Der Aufbau des Wärme- und Kältenetzes ist einer der wichtigsten Schritte, um hier vorwärtszukommen. Und es braucht eine gute und intensive Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Regionalwerke, was definitiv der Fall ist.