Regionalwerke Gruppe

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Energie

Lagebericht des Geschäftsführers

Der Umbau der Energieversorgung in Richtung erneuerbare Energie schreitet voran. Im August 2020 nahmen wir die Transportleitung SiBaNo in Betrieb, die nun unsere Fernwärmekunden in Baden mit erneuerbarer Wärme aus der Kehrichtverwertungsanlage Turgi beliefert. In Zusammenarbeit mit der Stadt Baden haben wir den Nahwärmeverbund Kappelerhof mit einer modernen Holzheizung mit grossem Speichersystem erneuert und erweitert – nun geht es darum, weitere Kunden im Quartier Kappelerhof zu gewinnen, welche sich dieser erneuerbaren Energie zu attraktiven Konditionen anschliessen möchten. In Dättwil läuft die Planung zur Erschliessung des Industriegebietes Täfern mit erneuerbarer Fernwärme ab unserem Holzheizkraftwerk. Das Kantonsspital Baden KSB baut zurzeit seine Energiezentrale um, die mit erneuerbarer Fernwärme ab unserer Energiezentrale (Holzheizkraftwerk) einerseits Wärme für das Spital bereitstellt und anderseits Kälte daraus erzeugen wird. Um dem KSB eine maximal hohe Versorgungssicherheit zu bieten, hat die RWB in der Energiezentrale des Spitals drei mit Gas oder Öl betreibbare Kessel als Redundanz eingebaut. Im Spital darf niemand frieren!

Seit Januar 2020 mischen wir unserem Standard-Gasprodukt 10% Biogas bei. Dieser Anteil soll bis 2030 auf 30% erhöht werden. Kunden, die schon jetzt einen höheren Biogasanteil wünschen oder die gar kein Biogas möchten, können entsprechend andere Gasprodukte bei RWB bestellen. So bezieht die Stadt Baden beispielsweise 20% Biogas für ihre eigenen Liegenschaften. Unsere beiden Biogasaufbereitungsanlagen in Turgi und Nesselnbach stehen gut und zuverlässig im Einsatz und haben 2020 insgesamt 30 GWh erneuerbares Gas produziert. Darauf dürfen wir stolz sein, und die RWB bedankt sich bei ihren Partnern für die gute Zusammenarbeit.

Die RWB hatte 2020 viel Erfolg mit Wärme- und Energielösungen und durfte als GU (Generalunternehmer) unter Einbezug lokaler Installateure zahlreiche Kundenanlagen bauen, wie z.B. kleinere und grössere Wärmepumpen, Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen, Stromspeicher und E-Ladestationen für EFH und MFH. Einige Anlagen finanzierte die RWB für die Kunden als sogenannte Contracting-Lösungen.

Im Berichtsjahr nahmen wir bereits die dritte miinSTROM-Anlage (PV) auf dem Dach des Badener Terrassenbads in Betrieb. An dieser Anlage können sich die Kunden zugunsten einer nachhaltigen Energiezukunft beteiligen. Das Interesse war gross und alle 162 Panels der Anlage schnell vergeben.

Besonders gefreut hat uns, dass wir für die RVBW Bus-Linie Nr. 5 die E-Ladestationen an den Endhaltestellen auf der Baldegg und im Äusseren Berg in Ennetbaden realisieren durften. Diese Linie wird voraussichtlich ab Sommer 2021 mit batteriebetriebenen Bussen geführt.

Die Nachfrage nach Wärme, Gas und Strom entwickelte sich gut und gemäss unseren Erwartungen. RWB konnte wiederum eine hohe Nachfrage nach neuen Gasanschlüssen abdecken. Das zunehmende Bewusstsein, dass man über Gasanschlüsse auch erneuerbare Energie (Biogas) beziehen kann, ist sehr erfreulich.

RWB investierte 2020 in die Versorgungssicherheit und erneuerte Teile der Strom-Haupteinspeisung an der Römerstrasse. Gleichzeitig wurde auch die dazugehörige Netzleittechnik erneuert. Für das neue Thermalbad durften wir im Auftrag der Bauherrschaft eine neue Trafostation bauen.

Für die öffentliche Beleuchtung realisierten wir gleich mehrere Projekte mit modernen Lösungen. Die neue und optimale Beleuchtung der Treppe Oelrain nimmt elegant Rücksicht auf die Bedürfnisse von Mensch und Natur. Weitere Projekte für eine effizientere und smarte Beleuchtung im öffentlichen Raum haben wir am Fluhweg Ennetbaden und an der Mellingerstrasse Dättwil umgesetzt.

Die Gemeindewerke Neuenhof wurden in eine selbstständige öffentliche Anstalt ausgegliedert. Neben der Betriebsführung dürfen wir seit 2020 auch die Buchhaltung und das Debitorenmanagement für die ewn (Elektrizität Wasser Neuenhof) übernehmen.

Wir freuen uns, für die Gemeinde Mellingen ab 2022 den Prozess «Meter to Cash» führen zu dürfen. Das Thema Smart Meter stellt die Versorgungswerke vor grosse Herausforderungen. Die RWB hat sich dafür gerüstet und kann ihr Wissen für interessierte Gemeinden der Region einsetzen.

Wir durften im Berichtsjahr wiederum viele weitere Projekte für Gemeinden ausführen. Für diese Aufträge sind wir sehr dankbar. Unsere gefragten Dienstleistungen konnten wir zur Zufriedenheit der Kunden ausführen und noch weiter ausbauen. Die RWB ist stets bestrebt, den Kunden eine solide und effiziente Arbeit zu bieten. Die Dienstleistungen für die Gemeinden reichen von der Übernahme kleiner Projekte bis hin zu umfangreichen Betriebsführungen.

Die GIS-Dienstleistungen entwickelten sich gut, und das Team war gut ausgelastet.

«Wir werden in den nächsten Jahren hohe Investitionen in den Ausbau der Fernwärme- und Fernkälteversorgung tätigen und mit den entsprechenden Anschlüssen fossil erzeugte Wärme substituieren.»

Michael Sarbach
Geschäftsführer

Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, neue Produkte und Dienstleistungen

Im Kappelerhof führten wir einen Pilot Smart Meter durch, der uns wichtige Erkenntnisse für den weiteren Rollout lieferte.

2020 haben wir umfangreiche Untersuchungen und Studien für den Ausbau der Fernwärme/Fernkälte Baden vorgenommen. Das reichte von einer umfassenden Potenzialermittlung mittels unseres GIS-Tools bis hin zu erfolgreichen Probebohrungen für grosse Grundwasserwärmepumpen. Der Verwaltungsrat hat an seiner Sitzung im Mai einen starken Ausbau der Fernwärme/Fernkälte mit hohen Investitionen während der nächsten 10 Jahre gutgeheissen. 

Mit der Stadt Baden haben wir einen Konzessionsvertrag Fernwärme/Fernkälte abgeschlossen. Damit können wir unsere geplanten grossen Investitionen in den Ausbau absichern.

Noch vor Jahresende konnten wir mit dem Regionalen Pflegezentrum Baden einen Vertrag zum Bezug von Fernwärme und Fernkälte unterzeichnen. Für die geplante neue Energiezentrale rechts der Limmat wurde bereits viel Vorarbeit geleistet.

Der Kanton hat der RWB für das Grundwasserpumpwerk Hinterhofwald die Konzession bis 2025 erteilt. Wir setzen alles daran, diese leistungsfähige und moderne Trinkwasseranlage auch längerfristig zu erhalten und damit zur Sicherung der Badener Trinkwasserversorgung beizutragen.

Die Limmatkraftwerke AG hat von ABB das Gebäude der Baumwollspinnerei Turgi erworben. Die grosse Liegenschaft liegt in unmittelbarer Nähe zum Wasserkraftwerk Turgi. Mit deren Kauf kann der langfristige Betrieb des Kraftwerks und dessen Ausbau sichergestellt werden. Für die verschiedenen Räumlichkeiten über eine Fläche von insgesamt rund 9’000m² wird durch unseren Partner André Roth AG aktiv nach Mietern gesucht.

Die laufende Revision der Maschinengruppe 1 im Kraftwerk Aue ist ein finanziell und arbeitsmässig aufwändiges Projekt. Nach Abschluss der Arbeiten (Frühling 2021) kann die Maschine wieder für viele Jahre zuverlässig umweltfreundlichen Wasserstrom produzieren.

Die zunehmende Digitalisierung fordert uns heraus, und wir haben uns eingehend mit den strategischen IT-Zielen und dem Know-how-Ausbau und -Transfer befasst. RWB verstärkt ihre IT-Kompetenz, um die veränderten Bedürfnisse der Kunden abzudecken und um effizientere Leistungen erbringen zu können. 

In Zusammenarbeit mit dem Partner Empiricon führten wir eine anonyme Mitarbeiterumfrage durch. Das Ergebnis war sehr erfreulich, die Mitarbeiterzufriedenheit ist sehr hoch. Einzelne weniger gut bewertete Punkte gehen wir aktiv an.

Die an geoProRegio AG beteiligten Werke haben einer Eigentümerstrategie zugestimmt und mittlerweile (ausser Eniwa AG) der Integration sämtlicher GIS-Mitarbeitenden und GIS-Geschäfte per 1. April 2021 in die geoProRegio AG. Eniwa verkaufte ihre Aktien an die geoProRegio AG. Die neu aufgestellte Firma zieht im Sommer in neue Räumlichkeiten an der Rütistrasse in Baden.

 

Aussergewöhnliche Ereignisse

Von der Corona-Pandemie waren wir insbesondere von den Vorkehrungen rund um die Schutz- und Sicherheitsmassnahmen und von leichten Einbussen bei den Energieabsätzen betroffen. Glücklicherweise kam es bislang zu keinen Ansteckungen in der Firma, und wir hatten auch keine ernsthaften gesundheitlichen Probleme von Mitarbeitenden aufgrund des Coronavirus zu beklagen. Grosse finanzielle Auswirkungen aufgrund von vermehrten Betreibungen oder Konkursen waren im Berichtsjahr noch nicht spürbar. 

 

Zukunftsaussichten

Wir werden in den nächsten Jahren hohe Investitionen in den Ausbau der Fernwärme- und Fernkälteversorgung tätigen und mit den entsprechenden Anschlüssen fossil erzeugte Wärme substituieren. Die hohe Investitionstätigkeit in den FW-/FK-Ausbau mit langen Payback-Zeiten wird die zukünftigen Geschäftsergebnisse belasten und die Jahresgewinne schmälern.

Unser Ressort Wärmeanlagen und Contracting wird verstärkt und bietet den Kunden umfassende und umweltfreundliche Energielösungen aus einer Hand. 

Wo sich geeignete Möglichkeiten ergeben, bauen wir weitere grosse PV-Anlagen und je nach Nachfrage auch weitere miinSTROM-Anlagen.

Im 2020 verabschiedeten wir unsere Marketing-Strategie. Diese ist wichtig bei der weiteren Vorbereitung auf die geplante Strom- und Gasmarktöffnung. Die zahlreichen Massnahmen kommen damit aus einem Guss und unterstützen ein effizientes Vorgehen.  

Die Organisation und die Arbeiten für den Smart Meter Rollout fordern uns heraus und die Hauptinstallationsphase sollte Ende 2025 abgeschlossen sein. Wir haben so die Möglichkeit, diese Dienstleistung auf Wunsch für andere Werke in der Region ausführen zu können.

Die Überführung unseres GIS in die geoPro-Regio AG wird für alle Beteiligten weiterhin eine grosse Umstellung bedeuten.

 

Risikobeurteilung

Die schweizweiten Diskussionen rund um das mit den Abbauprodukten des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil belastete Trinkwasser haben auch uns betroffen. 

In Baden sind Chlorothalonil und Chlorothalonilsulfonsäure unter der Bestimmungsgrenze. Das zweite Abbauprodukt R471811 ist messbar und liegt über dem Grenzwert der entsprechenden Verordnung. Basierend auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat es sich zwar als relevant, aber nicht als krebserregend erwiesen. Gemäss Mitteilung des BLV besteht keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung aufgrund von Chlorothalonil-Abbauprodukten (Metaboliten). Konsumentinnen und Konsumenten können Trinkwasser weiterhin ohne Einschränkungen konsumieren. Ein Verbot des Einsatzes von Chlorothalonil wird zu einem Rückgang der Konzentration seiner Metaboliten im Grundwasser führen. Wir haben ein Monitoring (Überwachung), welches uns den Verlauf der Konzentration im Trinkwasser aufzeigt.

Die unsicheren Gesetzgebungen zum zukünftigen Gasversorgungsgesetz und zur CO2-Abgabe zeigen, dass das regulatorische Risiko der Energieversorgungsunternehmen sehr gross ist. Ändernde Rahmenbedingungen können Investitionen mit teilweise einem Planungshorizont über Jahrzehnte und langen Payback-Zeiten schnell zum Risiko werden lassen. Und auch weitere Investitionen in erneuerbare Energien können gefährdet sein, je nachdem, ob funktionierende flankierende Massnahmen zu den Energiemarkt-Liberalisierungen geschaffen werden oder nicht.

Die Verwaltungsräte der operativen Gruppengesellschaften (Regionalwerke AG Baden und Limmatkraftwerke AG) haben sich je anlässlich einer VR-Sitzung mit den Geschäftsrisiken auseinandergesetzt und dabei die Risikobeurteilung des Geschäftsführers und der Geschäftsleitung berücksichtigt. Bei Risiken hoher Tragweite ergreifen Verwaltungsrat, Geschäftsführer und Geschäftsleitungsmitglieder erforderliche Massnahmen, um die potenziellen Auswirkungen dieser Risiken aufzufangen oder diese permanent zu beobachten. 

 

Anzahl Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt

Die Zahl der Vollzeitstellen betrug 2020 durchschnittlich 130.79. Ende 2020 beschäftigte die RWB 153 Personen.

An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich für die gute Zusammenarbeit bei unseren geschätzten Kunden, unseren Geschäftspartnern, den Mitarbeitenden und den Verwaltungsräten. Ohne Sie alle hätten wir nicht all das erreichen können, worauf wir stolz sind. Und ohne Sie könnten wir nicht angehen, was wir als Herausforderung vor uns sehen!

Geschäftsleitung

Michael Sarbach, Geschäftsführer
dipl. Betriebs- und Produktionsingenieur ETHZ, dipl. Wirtschaftsprüfer

Gilles Tornare, Marketing
dipl. El. Ing. FH, eidg. dipl. Marketingleiter

Hans-Peter Kunz, Finanzen und Personal
dipl. Wirtschaftsprüfer

Andreas Doessegger, Betrieb und Kraftwerke
dipl. Betriebs- und Produktionsingenieur ETHZ

Cédric Aubert, Digitalisierung und GIS
dipl. Physiker EPFL

Markus Gsell, Wärme- und Wasserversorgung
dipl. Masch. Ing. ETHZ, dipl. Betriebs- und Produktionsingenieur ETHZ

Adrian Fuchs, Elektrizitätsversorgung
dipl. El. Ing. FH, MAS GhM FH