Ein Blick in die Zukunft

Die RWB wird sich von der klassischen Versorgerin zur marktorientierten Energie- und Infrastrukturdienstleisterin entwickeln. Für die Energie, die über unsere Netze fliesst, wird in einigen Jahren der Markt vollständig offen sein. Hier sind wir gefordert, marktfähige Energieprodukte anzubieten, die den Erwartungen unserer Kunden entsprechen.

Kunden werden in Zukunft vermehrt den Nutzen bzw. die Wirkung eines Produkts bewerten. Der Trend geht auch Richtung mieten und teilen statt kaufen. Wir erwarten, dass Projekte wie zum Beispiel unser Wärmecontracting in Koblenz zunehmend gefragt werden. Bei diesem Projekt ist es die Wirkung und die Qualität der Wärme, die den Kunden interessiert, und nicht der Kauf des dafür notwendigen Energieträgers.

 

Eine Vielzahl von Chancen

E-Mobilität bringt neben Unwägbarkeiten auch eine Vielzahl von Chancen. Ihre Zunahme kann dann als Erfolgsmodell gewertet werden, wenn sie in ein gesamtheitliches Mobilitätskonzept eingebettet ist. Es wäre schade, wenn ein E-Auto «nur» ein Benzinauto ersetzt oder als zusätzliches Zweitfahrzeug – weil ökologisch – angeschafft wird und wenn die tägliche Verkehrsbelastung unvermindert zunimmt. Für ein Energieversorgungsunternehmen sind die lukrativen Geschäftsfelder im Bereich E-Mobilität noch nicht scharf umrissen. Die intelligente Kombination von Netzstabilisierung, Energiespeicherung, Ladeinfrastruktur, erneuerbare Energien und evtl. auch Carsharing kann zu spannenden, neuen Geschäftsmodellen führen. 

 

Regionalwerke als Versorger

Die Energieversorgung ist ursprünglich dezentral entstanden mit Kraftwerken, die ein Inselnetz mit Energie versorgt haben. Im Laufe der Zeit wurden die einzelnen Netze miteinander verbunden, und grosse Produktionsanlagen haben die Versorgung zentraler gemacht. Der Grund dafür war die damit einhergehende Steigerung der Effizienz und Versorgungssicherheit. Durch die ökologische Notwendigkeit, unseren CO2-Ausstoss langfristig zu senken und damit die fossilen Energieträger zu substituieren, wird die Energieversorgung interessanter-weise wieder dezentraler. Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit in unseren Netzen werden wir zukünftig neben CO2-freien Energieproduktionsanlagen – wie dies unsere Wasserkraftwerke, PV-Anlagen oder auch die sich im Bau befindliche Energiezentrale Dättwil sind – intelligente Bedarfsmanagement- und Speicherlösungen einsetzen. 

Es sind bereits auch völlig netzfreie Lösungen auf Basis von Nullenergie-Liegenschaften, verbunden mit saisonaler Energiespeicherung, in Planung. Die Netze werden wegen ihrer Vorteile in Sachen Effizienz und Versorgungssicherheit aber kaum aus unserem Leben verschwinden. Als Energiedienstleister tut man gut daran, die Entwicklungen genau zu verfolgen oder besser noch zu antizipieren und Lösungen dafür zu entwickeln. 

Die Digitalisierung

Der Megatrend Digitalisierung wird neue technische Möglichkeiten kreieren, neue Verhaltensmuster und Bedürfnisse bei den Kunden wecken und die technische Komplexität erhöhen. Lösungen im Bereich Smart Living werden unseren Alltag automatisieren. Die Kommunikation unserer Kunden mit uns wird direkter und rascher. Elemente wie Energie, Wasser und Informations- bzw. Kommunikationstechniken schlau zu kombinieren, wird für einen Energie- und Infrastrukturdienstleister Pflicht, andernfalls wird dies Google ohne uns machen.

Christoph Umbricht,

Geschäftsführer Regionalwerke AG Baden