Die Geschichte der Regionalwerke AG Baden

Die Brüder Louis Theodor und Carl Pfister gründen die Elektrizitätsgesellschaft Baden. Der Coup: Sie bringen Brown, Boveri & Cie. nach Baden. Mit BBC am Start sichern sie sich für «ihr» Unternehmen auch gleich einen Grossabnehmer.

Bei einem Glas Goldwändler stossen die Männer auf ihr Vorhaben an. Der Entscheid für den Bau eines Elektrizitätswerks und eines Elektrotechnikunternehmens ist gefällt. Es ist der 23. Februar 1891. Auf der einen Seite sind die Brüder Louis Theodor und Carl Pfister, gestandene Badener Kaufleute, auf der anderen Seite die jungen Maschineningenieure Walter Boveri, Charles  E. L. Brown sowie dessen Vater Charles Brown und Boveris Schwiegervater, der Zürcher Seidenindustrielle Conrad Baumann. 

Brown und Boveri haben mit ihrem geplanten Elektrotechnikunternehmen Grosses vor. Der Standort dafür ist bestimmt – nicht Basel und nicht in Zürich ist es, sondern das Landstädtchen Baden. Die Argumente der Brüder Pfister haben überzeugt.


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Potenzial der Elektrizität erkannt

Das Land ist günstig und weitläufig, die Stadt durch die Eisenbahn gut erschlossen. Das Gebiet Hasel, in dem das Unternehmen als «Brown, Boveri & Cie.», kurz BBC, entstehen soll, ermöglicht einen Bahnanschluss, und die Arbeiter sind in Baden mangels Alternativen weniger versucht, die Stelle zu wechseln. Vor allem aber: BBC braucht Strom. Und die Brüder Pfister werden ihn liefern können. Begeistert und inspiriert von der Pariser Weltausstellung für Elektrizität 1889, hatten sie früh erkannt, dass die Zukunft der Elektrizität gehören würde, und sich in Baden mit Tat- und Überzeugungskraft die Konzession für das erste Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung gesichert. 

Win-win-Situation

BBC wiederum wird die elektrotechnische Ausrüstung für das zu bauende Kraftwerk bereitstellen und hat so gleich den ersten grossen Auftrag auf sicher. Eine Win-win-Situation – und für Baden der Beginn einer neuen Ära. Mit der Ansiedlung von BBC in ihrer Vaterstadt ist den Brüdern Pfister ein Coup gelungen, der dem krisengeschüttelten Baden (Seite 6) zu neuem Glanz verhelfen sollte.

Waren sie zuvor mit ihren Vorstössen zur Elektrifizierung der Stadt immer wieder am politischen Widerstand gescheitert, gab es jetzt, da eine grosse Fabrik bald zu den Stromabnehmern zählen würde, kaum mehr Gegenwind. Am 9. Mai 1891 wird die Elektrizitätsgesellschaft Baden (EGB) gegründet. Es ist eines der ersten Elektrizitätswerke der Schweiz überhaupt. Es fehlen Erfahrungen beim Bau des Kraftwerks Kappelerhof an der Limmat. Dennoch geht der erste Probelauf im Herbst 1892 erfolgreich über die Bühne.

Gründer, Eigentümer, Lenker 

Louis Theodor Pfister (*1852, †1937) und Carl Pfister (*1847, †1931) sind nicht nur Mitgründer der Elektrizitätsgesellschaft Baden (EGB), sondern bringen mehr als die Hälfte des Aktienkapitals von 350 000 Franken ein. Auch die Stadt Baden beteiligt sich. Sie hält Anteile von 100 000 Franken. Davon ist ein Viertel ein Geschenk von Louis Theodor Pfister an seine Vaterstadt. Er übernimmt zudem die Geschicke der EGB als VR-Präsident. Walter Boveri amtet als Vize und Carl Pfister als Geschäftsleiter. 

Ab 1907 liefert die EGB Strom, Gas und bestreitet einen Grossteil der städtischen Wasserversorgung. Die mit der Gemeinde Baden vereinbarte Konzession dauert 25 Jahre. Nach deren Ablauf übernimmt die Stadt das Unternehmen per 1. Januar 1918, das neu als Städtische Werke firmiert. Carl Pfister bleibt bis 1928 Geschäftsführer. 1999 führt die Stadt das öffentlich-rechtliche Unternehmen in eine AG über. Im Einklang mit der regionalen Verankerung lautet der Name fortan Regionalwerke AG Baden (RWB). 


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